Jugendarbeit ist kein Nice-to-Have, sondern kommunale Pflichtaufgabe

Landestagung der Gemeindejugendarbeit mit Gästen aus Politik und Praxis – Bayerns Ehrenamtsbeauftragte Gabi Schmidt: „Ab jetzt wird vor Ort entschieden, ob wir die Jugend ernst nehmen.“

„Lobbyarbeit für Gemeindejugendarbeit – vom Rathaus bis zum Landtag“ lautete der Titel der Landestagung der Gemeindejugendarbeit, die in der vergangenen Woche in Würzburg stattfand. Rund 60 Fachkräfte aus ganz Bayern waren zusammengekommen, um neue Impulse für ihre Arbeit zu erhalten und sich mit Jugendpolitik vor dem Hintergrund der neu gewählten kommunalen Gremien auseinanderzusetzen, deren Wahlperiode bis 2032 reichen wird.

Dazu erklärt der Präsident des Bayerischen Jugendrings (BJR), Philipp Seitz: „Jugendarbeit geschieht vor allem dort, wo junge Menschen ihren Lebensmittelpunkt haben und wo sie Selbstwirksamkeit erleben: In ihrer Gemeinde. Junge Menschen wollen mit ihren Erfahrungen und Bedürfnissen angehört werden. Sie wollen teilhaben an Entscheidungen, die sich unmittelbar auf sie auswirken. Jugendarbeit ist kein Nice-to-Have, sondern eine kommunale Pflichtaufgabe, die finanziell bedarfsgerecht ausgestattet und angesichts neuer Herausforderungen weiterentwickelt werden muss. Ich danke allen Vertreter:innen der Gemeindejugendarbeit und der Politik, die nach Würzburg gekommen sind, um dieses zentrale Arbeitsfeld der Jugendarbeit zu stärken.“

Die Veranstaltung wurde vom BJR zusammen mit der Landes-Arbeitsgemeinschaft der gemeindlichen Jugendarbeit (agjb e.V.) organisiert. Als Fachveranstaltung bot sie Gelegenheit für fachliche Vernetzung und politische Begegnung: Acht Vertretungen aus Kommunen und Landespolitik diskutierten gemeinsam mit den Teilnehmenden über jugendpolitische Herausforderungen und aktuelle Perspektiven für die Jugendarbeit in kreisangehörigen Gemeinden.

Als Ehrenamtsbeauftragte der bayerischen Staatsregierung nahm Gabi Schmidt, MdL u.a. an einer „Politik-Werkstatt“ der Tagung teil und sagte: „Ich habe viel erfahren über die Anliegen der Fachkräfte der Gemeindejugendarbeit und über ihre Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen. Dank des 2025 erstellten Ehrenamtskonzepts des BJR liegen viele Ideen und Vorschläge vor, die nun jeweils passend in den Kommunen umgesetzt werden können. Dafür bin ich sehr dankbar. Ab jetzt wird vor Ort entschieden, ob wir die Jugend ernst nehmen. Jetzt gilt es, genau hinzusehen, wo nur Lippenbekenntnisse abgegeben wurden.“

Aus dem Kreis der in den „Politik-Werkstätten“ anwesenden Vertreter:innen der Parteien und der Kommunalpolitik war der designierte Oberbürgermeister Dr. Enis Tiz aus Kitzingen ein besonders gefragter Gast. Grund: Das 2025 in Kitzingen eröffnete, mit hohen Investitionen verbundene und unter beispielhafter Jugendbeteiligung geplante „Haus für Jugend und Familie“ galt vielen Fachkräften als inspirierendes Best-Practice-Beispiel.

Ein Vortrag der bundesweit als Expertin für Jugendpolitik anerkannten Dr. Anna Grebe lieferte praktische Hinweise und Beratung für kommunale Lobbyarbeit im Interesse aller Kinder und Jugendlichen. Grebe: „Die Leistungen der Jugendarbeit sind ein gesetzlicher Auftrag – das SGB VIII ist die Basis für alle Gespräche über unsere Ziele.“ 

In einer weiteren „Politik-Werkstatt“ informierte BJR-Referent Clemens Scheerer über Lobbyarbeit für kommunale Jugendbeteiligung und die dafür mögliche Beratung der Fach- und Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung, die er als Leiter in Würzburg vorstellen konnte. Hier war das Interesse besonders groß, denn ernstgemeinte Kinder- und Jugendbeteiligung schätzten viele Teilnehmende als Schlüssel für eine erfolgreiche Jugendarbeit der Zukunft ein.

Bei der Tagung richtete sich der Blick auch auf die Herausforderungen der Jugendarbeit durch Angriffe aus dem rechtsextremen Spektrum. Im Austausch mit der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus, die ebenfalls beim BJR angesiedelt ist, konnten zahlreiche Fragen der Fachkräfte beantwortet werden. In ihren Wortbeiträgen unterstrichen sie, dass sie sich nicht verunsichern lassen durch rechtsextreme Kampagnen – etwa gegen die Finanzierung der Jugendringe und offener Jugendräume.  

Diese Position unterstützte auch der für das Arbeitsfeld Gemeindejugendarbeit zuständige BJR-Referent Dr. Heiko Tammena: „Die Aufgaben der Gemeindejugendpflege in ihren rund 350 Einrichtungen in Bayern sind wichtige kommunale Leistungen, die nicht gekürzt werden dürfen. Die Angebote reichen von persönlicher Beratung junger Menschen über Offene Treffpunkte und Ferienfahrten bis zu Prävention und politischer Beteiligung. In Zeiten der kommunalen Finanzkrise braucht es eine flächendeckende, stabile Förderung.“

Abschließend betonte der BJR-Vizepräsident Christian Kuhnle mit Blick auf die Leistungen der Gemeindejugendarbeit: „Wir sind immer parteilich, das heißt auf der Seite aller jungen Menschen in ihrer Vielfalt. Wir stehen für demokratische Werte ein. In den neuen Gremien ist die Unterstützung aller demokratischen Kräfte für die Jugendarbeit von großer Bedeutung. Dass hier ein breiter Konsens besteht, ist für die vielfältige Gemeindejugendarbeit in Bayern sehr erfreulich.“ (Quelle:BJR)

Herzlicher Dank hier nochmal an die Gäste:

Gabi Schmidt, MdL FW

Eva-Maria Weimann, stellvetr.Landesvorsitzende SPD

Theresa Eberlein, stellvetr.Landesvorsitzende Grüne

Morten Wildauer, JU stellvertr.Vorstzd.